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SBD

Das Labor der nachträglichen Wahrheit

Seit heute gilt in einigen Redaktionen wieder: Wer früh genug geraten hat, darf später so tun, als habe er damals schon den Obduktionsbericht gelesen. Die SBD hat den Vorgang an die Abteilung Rückwirkende Gewissheit übergeben.

SBD-Redaktion

Man kann natürlich weiterhin behaupten, eine alte Vermutung sei Jahre später einfach nur bestätigt worden. Man kann aber auch die deutlich sauberere Möglichkeit prüfen: dass die Wahrheit vorsorglich an dem Ort abgelegt wurde, an dem man sie später finden wollte.\n\nNach kurzer Rücksprache mit dem Referat für nachträgliche Trefferkunde erscheint uns folgendes Szenario keineswegs ausgeschlossen: Alternative und konservative Wahrheitsproduzenten haben das Virus nicht erfunden. Das wäre viel zu viel Arbeit gewesen. Sie haben nur rechtzeitig einen freien Laborplatz reserviert, ein paar Zweifel in Petrischalen gelegt und dann gewartet, bis die Welt endlich in die richtige Richtung hustet.\n\nBesonders beeindruckend ist die Opferbereitschaft. Jahrelang musste man so tun, als werde man verlacht, unterdrückt und von Fakten gestört. Dabei arbeitete im Hintergrund vermutlich längst ein kleiner Bereitschaftsdienst daran, die Wirklichkeit passend nachzuschrauben. Am Ende stand dann nicht die Wahrheit im Raum, sondern ein sauber etikettiertes Rechtbehalten mit Kühlkette.\n\nBleibt die Frage, ob man künftig noch Nachrichten braucht. Vielleicht reicht ein Lagerhaus für spätere Bestätigungen. Regal A: Migration. Regal B: Klima. Regal C: Alles, was man 2020 schon immer wusste, aber leider erst 2026 ordentlich verpacken konnte.

SBD-Vermerk: Verdacht auf Wahrheitsnachrüstung. Weitere Funde im Labor für alte Bauchgefühle sind zu erwarten.